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Strada alta Leventina

Blick auf das Valle Leventina. I, Parpan05 [GFDL,  CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

 

Die Strada alta Leventina ist ein schöner Höhenweg auf der Südseite der Leventina, hoch über dem verkehrsgeplagten Tal. Ausgedehnte Wälder, immer wieder tolle Ausblicke ins Tal und in die Berge. 

Neben einigen Hartbelagstrecken viele schöne Wiesen- und Waldwege, durchgehend rot-weiss als "Bergwege" markiert. Die Wanderzeiten auf den Wegweisern sind eher knapp bemessen 

Wenn es im Norden regnet, im Süden aber mit Nordwind Schönwetter angesagt ist, zieht es viele Deutschschweizer auf die andere Seite des Gotthardtunnels. Die Strada alta bietet sich als erstes Wanderziel an. An der Sonnenseite hoch über der Leventina zu wandern ist immer wieder ein Erlebnis. Die Wanderung kann sogar im Winter unternommen werden, sobald der Schnee auf der Südseite bis 1300 m geschmolzen ist; allerdings sollte es nicht so kalt sein, dass die feuchten Stellen an Schattenhängen gefroren sind. 

Wer zu Fuss ins Tal absteigt, wählt wegen dem vielen Kastanienlaub am Boden vom Herbst bis in den Frühling besser den umgekehrten Weg von Süden nach Norden (ausser wenn der Nordwind bläst!). 

Seit kurzem ist die Strada alta Teil des "Kulturwegs der Alpen" und des Trans Swiss Trails. Auch der Europäische Fernwanderweg E1 führt hier vorbei. 

 

Hinweis: Die Markierung der Strada alta beginnt in Airolo. Der Aufstieg vom Dorfausgang Airolo bis zum Höhenweg verläuft auf schönen Saumwegen, doch oben sind um Bugnasco und Altanca asphaltierte Strecken in Kauf zu nehmen, sodass viele Wanderer mit dem Postauto nach Ronco, Deggio oder Lurengo fahren.

Viele der Dörfer wirken ausser der Ferienzeit wie ausgestorben. Entsprechend prekär sind Einkaufsmöglichkeiten. Die verbliebenen Gasthäuser sind bieten jedoch freundliche Bedienung und einfache, günstige Übernachtunsmöglichkeiten. Fast alle Dörfer sind (spärlich) per Postauto mit dem Tal verbunden; es ist ratsam, den Fahrplan zum voraus zu konsultieren. 

 

Anreise:

Hinreise: Bahn nach Airolo
Rückreise: Bus nach Biasca oder Bellinzona 

 

Routenbeschreibung

1. Tag

5.35 h (5 h), aufwärts 590 m, abwärts 580 m, 17 km, davon 7,5 km asphaltiert 

Airolo 1141m - Valle (0.15 h) - Madrano 1156m (0.15 h) - Brugnasco 1385m (0.45 h) - Altanca 1390m (0.50 h) - Ronco 1368m (0.20 h) - Deggio 1205m (0.30 h) - Lurengo 1330m (0.50 h) - Bosco d'Öss 1346m (0.20 h) - Freggio 1037m (0.50 h) - Osco 1156 m (0.40 h)

Vom Bahnhof Airolo geht es an der Post vorbei zur Gotthardstrasse hinauf und beim Friedhof "Airolo Cimitero" halblinks. Durch Quartierstrassen wandern wir nach Valle, wo die Strada alta abzweigt und als schmaler Pfad zum Bach hinunter führt. Dort zur oberen Brücke und auf Wiesenpfaden hinauf nach Madrano. Hier den Weg links durch die Häuser hindurch nicht verpassen! Das Strässchen kreuzen und auf schönsten Wiesen- und Saumpfaden ansteigen.

Bei Strada dei Morti kommen wir zur Fahrstrasse; 10 Minuten später sind wir in Brugnasco (Siesta-Kiosk und Café-Bar). Auf dem Teersträsschen nach Altanca marschieren wir nochmals 20 Minuten, bis wir rechts eine Tafel mit einer Fussweg-Variante entdecken: Vor der Tafel führt ein unscheinbares, romantisches, zur Zeit etwas wildes und ungepflegtes  (Juni 2003) Weglein kurz bergab und dann ebenaus, an verschiedenen Hangrutschen vorbei, durch hohes Gras, Stauden und Brennesseln, unterquert die steile Ritomsee-Standseilbahn und steigt dann bei der Kirche von Altanca wieder zum Teersträsschen hinauf. Beim nächsten Wegweiser "Altanca Foss" den Pfeil zum Ritomsee-Restaurant (liegt auf 1850 m) nicht beachten!

Kurz nach Ronco zweigt rechts ein schmaler Wiesenpfad ab, auf dem wir bis kurz vor Deggio bleiben können.  Ab Deggio folgt eine halbe Stunde Hartbelag - zuerst auf der Fahrstrasse, nach 10 Minuten bei einer Wegstation halblinks auf einem Alpsträsschen. Bei den obersten Häusern am Waldrand beginnt ein schöner Wanderweg zwischen Naturwiesen voller Schmetterlinge und Grillen.

Nach Lurengo wandern wir im Wald. Ein bequemer Weg zum Bosco d'Öss, dann steigen wir auf einem ruppigen, steilen Zickzackweg voller Wurzeln und Steine bergab. Stolpergefahr; gut auf die Markierungen achten!

In Freggio auf dem Aussichtsbänklein geniessen wir unsere Pause mit Blick auf die Kehrtunnels der Gotthardbahn. Wer anschliessend die Kirche besichtigen möchte, folge dem Wegweiser "Strada alta" (Spitzkehre auf der Strasse). Die andern kürzen den Weg ab und steigen links durch die Häuser zum Strässchen hinauf. Weiter gehts dem Teersträsschen entlang bis zum obersten Bauernhaus. Die folgende Strecke durch Weiden und lichten Wald sind ein Genuss. Bald ist Osco zu sehen, wo wir übernachten können. 

 

2. Tag

4.20 h (3.55 h), aufwärts 440 m, abwärts 620 m, 12 km, davon 3 km asphaltiert 

Osco 1156m - Calpiogna 1140 m (1.10 h) - Figgione 1040m (0.30 h) - Rossura 1060m (0.10 h) - Tengia 1103 m (0.25 h) - Calonico 970m (0.50 h) - Grotto Pro Bell 898m (0.15 h) - Anzonico 979m (1 h)

Wanderland-Karte Osco - AnzonicoHeute gilt es, sich beim Frühstück ausgiebig zu stärken - es ist die letzte Einkehrmöglichkeit für die nächsten 3 Stunden! 5 Minuten nach Osco, bei der 1. Haarnadelkurve, betreten wir wieder Wald. Schmale, idyllische Pfade. Vor dem 2. Bachübergang den oberen markierten Weg benützen. Nach der Brücke steiler Aufstieg nach Calpiogna. Nicht verpassen: Kurz nach der Gartenwirtschaft "La Baita" rechts in den schmalen Wiesenpfad einbiegen. Im anschliessenden Waldstück sämtliche Abzweigungen ausser "Strada alta" ignorieren! Wir gelangen nach Figgino und Rossura, wo wir auf den Pfad hinter den Häusern geführt werden.

Vor Tengia marschieren wir 10 Minuten auf der Strasse. Beim schönen Doppelbrunnen am oberen Dorfrand gibt es zwei Varianten nach Anzonico: Die "Strada alta" via Sorsello und Monti di Cò 1388m (zusätzliche 30 Minuten Wanderzeit, schöne Fernsicht) oder den Wanderweg unten durch, dem wir folgen.

Bequemer Feldweg an einem Wasserfall vorbei, hinauf zur Feriensiedlung (dort halblinks). Im Wald beginnt der Abstieg, vorbei an einem weiteren  Wasserfall, bis wir in einer Spitzkehre auf die Strasse gelangen. Eine Viertelstunde später sind wir in Calonico (schöne Kirche) und wandern auf einem Nebensträsschen weiter bergab, vorbei an einem Bauernhof und ebenaus zum Grotto Bel, das idyllisch unter hohen Kastanienbäumen im Wald steht. Wer zu müde ist für weitere steile Wege, kann in der Nähe den Bus besteigen.

Der neu angelegte Wanderweg führt am Rande des grossen, originellen Spielplatzes ebenaus in den Wald; wir verlieren an Höhe und wandern auf ein paar Kehren bergab. Nach 10 Minuten geht der Weg steil bergauf, kreuzt die Strasse und führt über viele Wurzeln durch einen schönen Föhrenwald hoch über der Strasse. Zum Schluss wandern wir auf schönsten Wiesenpfaden dem Waldrand entlang nach Anzonico.

 

3. Tag

 4.30 h (4 h), aufwärts 335 m, abwärts 980 m, 12 km, davon 1 km Hartbelag 

Anzonico 979m - Segno 1090m (0.40 h) - Cavagnago 1020m (0.10 h) - Ronzano 1105m (0.50 h) - Sobrio 1130 m (0.10 h) - Valecc (0.10 h) Valloneschlucht - Bidrè di sopra - Bidrè 1032m (0.25 h) - Diganengo 964m (0.40 h) - Corecco 800 m (0.25 h) - Pollegio 296m (1 h)

Campanile von Ronzano bei Sobrio; Bild: Henrik SilbersteinAm Südrand von Anzonico, bei der Kappelle Sant’ Antonio, setzt sich die "Strada alta" fort. Aussichtsreicher Weg über Wiesenhänge und aufwärts in den Wald. Durch einen Hag zu zwei Ferienhäusern und weiter ebenaus. Im Zickzack gehts später bergab nach Segno mit der mittelalterliche Kirche Sant’ Ambrogio. Über Wiesengelände senkt sich der Weg zum grossen Dorf Cavagnago hinunter und kreuzt bei der Kirche die Strasse. Steilen Wiesenhängen entlang, dann im Kastanienwald ansteigend, überquert der Höhenweg mehrere Gräben und tritt dann auf die Heuwiesen unterhalb das Dörfchens Ronzano hinaus. Plötzlich erblicken wir den Glockenturm des Kirchleins von Sobrio. Diese sonnige vordeste Ortschaft an der "Strada alta" wird gerne als zusätzlichen Etappenort gewählt.

Tipp: Hörstation mit Gotthardgeschichten: Sobrio liegt 800 Meter über dem südlichen Eingang des Gotthard-Basistunnels. Von hier aus verbindet der 57 Kilometer lange Tunnel das Tessin in Hochgeschwindigkeit mit der Deutschschweiz: ein enger, finsterer Schlund, der die Reisenden eine kurze Zeit lang umgibt, bevor er sie im Kanton Uri wieder ans Tageslicht entlässt. Die Hörstation finden Sie auf der Terrasse des Restaurants Ambrogini, gleich beim Dorfplatz; sie ist vom 10. Juni bis 31. Oktober in Betrieb. Info: Osteria Ambrogini, Tel: +41 (0)79 299 56 78 oder 091 864 13 18 (Zimmer)

In Sobrio beginnt der romantische Teil der Wanderung. Auf einem Teersträsschen wandern zum Aussichtspunkt Valecc (Spielplatz). Dort führt ein Pfad an Ginsterhängen vorbei in die imposante Schlucht Vallone. Nach einer Steintreppe geniessen wir hart am Abhang die imposante Sicht ins Tal.  "Die Überraschung folgt aber erst noch: Granitsteintreppen am Abgrund wären ja noch kein Grund zur Beunruhigung - doch hier sind die Stufen mit Algen überwachsen und an diesem Herbstmorgen unangenehm rutschig. Da wird es uns schon etwas mulmig... Noch die eine oder andere heikle Passagen ohne oder nur mit  notdürftiger Wegsicherung sind zu überstehen, bis wir dann bei Bidrè die Schlucht verlassen. Andere, weniger heikle Passagen der Strada Alta sind weit besser gesichert..." H.+ C.S.,2007.

Sieben Minuten nach Bidrè di Sopra stehen wir vor einem 3 m breiten Tor zu einem Privatgrundstück. Mittlerweile ist dieses vollständig eingezäunt und der Weg ist ums Areal herum markiert, wenn auch auf der anderen Seite des Hauses der kurze Aufstieg durch den Wald über steiniges Gelände nicht so gut ersichtlich ist. Wir kommen an der alten Bärengrube vorbei und geniessen den bequemen Höhenweg durch den Wald. Nach einem letzten kurzen Aufstieg nähern wir uns Diganengo.

Beim Casa forestale beginnt der lange, aber gut angelegte Abstieg durch den Wald, über den Weiler Corecco und hinunter nach Pollegio. Hinter der Häuserzeile gehen wir 200 m nach links und gelangen rechts zur Hauptstrasse mit Laden und Restaurant. Bus nach Biasca. 

 

(ob/cp100)

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