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Wandern im Vinschgau

   Oberer Vinschgau mit Blick in Richtung Reschensee

Oberer Vinschgau Mals 01.jpg Der Vinschgau ist geografisch gesehen ein Talsystem, das nordwärts über den Stillebach in den Inn entwässert wird und südwärts vom Reschenpass (1504 m) den Talbogen bis zur Töll (520 m) bildet, der von der Etsch durchflossen wird. Mit dem Namen Vinschgau wird vielfach nur der von der Etsch durchflossene Teil des oberen Etschtales gemeint, im weiteren Sinne rechnet man den von der Finstermünz-Schlucht vom Inntal abgeschnürte Talkessel von Nauders geografisch dem Vinschgau zu. Der Obervinschgau verläuft von Reschen bis Laas, er trägt auch den historischen Namen Untercalven (der Name stammt von der Calven, welche das Val Müstair vom Vinschgau trennt).

Die steilen Talflanken des Vinschgaus gehören mehreren Gebirgsgruppen an: im Norden sind es die mächtigen Ausläufer der Ötztaler Alpen, deren Hänge zumeist direkt nach Süden ausgerichtet sind und von Mals bis Partschins durchgehend den Namen Sonnenberg tragen. Nach der Mündungsschlucht des Schnalstals in Richtung Osten nennt man diese Südausläufer Texelgruppe. Im Westen hat der Vinschgau Anteil an der Sesvennagruppe, im Mittel- und Ostteil gipfeln die südlichen Talhänge, die ab Schlanders Richtung Osten Nördersberg heißen, in den Ortler-Alpen, und zwar zwischen Sulden- und Martelltal als Laaser Berge, zwischen Martelltal und Meran als Zufrittkamm.

Seitentäler

Die Etsch wird von zahlreichen Bächen gespeist. Diese kommen aus Tälern, die sich tief in die umliegenden Gebirgszüge eingegraben haben und bis in die Gletscherregionen der Hauptkämme vorstoßen. Die Mehrzahl dieser Seitentäler hat sehr enge, vereinzelt sogar schluchtartige Mündungsöffnungen. Erst weiter im Talinnern wird der Talgrund breiter und bietet Platz für bescheidene Siedlungsräume.

Ausgehend vom Reschenpass trifft man auf der orografisch rechten Talseite des Vinschgaus auf fünf größere Seitentäler, die ganzjährig besiedelte Ortschaften aufweisen:

- Bei der Ortschaft Reschen zweigt das Rojental ab, das vom Pitzbach entwässert wird und in das man über eine gut ausgebaute Bergstraße gelangen kann.
- Bei Schleis mündet der Metzbach aus dem Schlinigtal in die Etsch. Das Schlinigtal ist verkehrsmäßig aber über Burgeis über eine gut ausgebaute Bergstraße erreichbar.
- Aus dem danach folgenden Münstertal kommt der Rambach. Es ist von diesen Tälern das einzige, das sich mit einer breiten Talmündung öffnet. Ausgehend von Glurns erreicht man nach etwa 9 km die Schweizer Grenze.
- Bei Prad am Stilfserjoch hat der Suldenbach aus dem Suldental eine breite, flache Schwemmebene, die Pradersand, geschaffen. Durch das Suldental führt eine als Militärstraße konzipierte Bergstraße auf das Stilfser Joch und in die Lombardei.
- Das Martelltal mündet bei Morter in den Vinschgau. Es wird von einem Gewässer weiblichen Geschlechts entwässert, von der Plima.
- Ein kleineres Seitental ist das Laasertal bei der Ortschaft Laas, das aber wegen seiner Marmorvorkommen Bedeutung erlangt hat.

Auf der linken Talseite sind es fünf größere Täler, die in die Ötztaler Alpen hineinschneiden:

- Aus dem Langtauferertal, in das ab Graun eine sehr gut ausgebaute Straße bis Melag führt, fließt der Karlinbach direkt in den Reschensee
- Aus dem engen Planeiltal, in dessen Mündungsbereich sich die einzige Siedlung des Tales befindet, kommt der Punibach.
- Bei Tartsch zweigt die gut ausgebaute Straße in das Matscher Tal ab, aus dessen Mündungsschlucht der Saldurbach aber bei Schluderns in das Haupttal gelangt
- Westlich des Schnalserhofes (zwischen Staben und Naturns) verlässt der Schnalserbach die felsige Eingangsschlucht des Schnalstales, das über eine hervorragend ausgebaute und mit großzügigen Tunnels ausgestattete Straße erreichbar ist.
- Ein hoch gelegenes lang gestrecktes Almtal ist das bei Schlanders schluchtartig ins Haupttal mündende Schlandrauntal.

Klima

Der Vinschgau liegt an ganz zentraler Stelle in den Alpen. Hier erreichen sie die größte Breite (250 km) und nehmen das Tal genau in ihre Mitte. Zudem ist der Vinschgau von sehr hohen Bergkämmen umgeben, die durchwegs die 3000 m überschreiten. Das hat eine ausgesprochene Insellage zur Folge, so dass das Tal klimatisch als eine der geschlossensten Landschaften der Ostalpen gelten kann. Sowohl die vom Norden bzw. vom Atlantik kommenden Einflüsse als auch die aus dem Süden heraufschwappenden Wettererscheinungen werden gleichermaßen abgemildert. Eine der für die Landwirtschaft ungünstigsten Auswirkungen ist die Niederschlagsarmut, die gepaart mit der hohen Sonnenscheindauer den Vinschgau zu einem der trockensten Täler der Alpen macht. In mancher Hinsicht hat sich ein eigenständiger Klimatyp herausgebildet: geringe Bewölkung, niedrige Luftfeuchtigkeit, lange Sonnenscheindauer (Kortsch übertrifft mit 71 % Orte wie Meran, Arco oder Riva bei weitem), hohe mittlere Jahrestemperaturen, in Schlanders 9,6°, hohe Verdunstung, hohe Temperaturschwankungen im Tages- und Jahresverlauf, starke Fallwinde (Vinschger Wind), abgemilderte Kältespitzen im Winter.

Flora

Biologisch gesehen hat der Vinschger Sonnenberg durch diese besonderen klimatischen Gegebenheiten eine einzigartige Vegetation hervorgebracht, die man so auch in weiter südlich gelegenen vergleichbaren alpinen Quertälern nicht vorfindet. Zu beobachten ist diese überraschend artenreiche Pflanzenwelt auf den kahlen, grauen Hangbereichen, den Leiten. Diese Stellen wurden bei Aufforstungen, die viele Jahre in Anspruch genommen haben, ausgespart. Den größten Teil des ehemaligen Steppengürtels des Vinschger Sonnenberges nehmen heute Schwarzföhrenbestände ein.

Am Hangfuß des Sonnenberges wird bis in die Schlanderser Gegend Wein angebaut, und es gedeiht bis dorthin auch die Edelkastanie. Der Talgrund, der früher vorwiegend dem Kornanbau gedient hat (der Vinschgau war die Kornkammer Tirols), wurde seit dem Ersten Weltkrieg ebenfalls bis in den Schlanderser Raum allmählich vom Obstbau (Äpfel) in Beschlag genommen. Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts macht der fühlbare Klimawandel den Vorstoß der Apfelkulturen weiter nach Westen bis in die Gegend von Mals möglich. Die schattigeren Hänge des Nördersberges sind im untersten Streifen teilweise mit Mischwald bewachsen. In den anschließenden höheren Lagen überwiegen die Fichten, die sich an der Baumgrenze mit den Zirben mischen.

 

Bild: „ Oberer Vinschgau Mals 01 “ von Kuebi - Eigenes Werk . Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons .

Dieser Text basiert auf dem Artikel Vinschgaul aus der Enzyklopädie wikipedia / Liste der Autoren   und steht unter der Lizenz Creative Commons . (bearbeitet tp/cp100)

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