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Wandern bei Benediktbeuern

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Benediktbeuern ist ein Urlaubsdorf zu Füßen der Benediktenwand im Tölzer Land und bekannt durch die gleichnamige Benediktinerabtei, das älteste Kloster in Oberbayern.

Das Dorf Benediktbeuern entstand als Siedlung der Klosterarbeiter und Klosteruntertanen und wird 1160 als "Laingreb" (Laingrube) erstmals urkundlich erwähnt. In der Folgezeit wurde der Ort von der Abtei verwaltet und war daher immer stark von der Wirtschaftskraft des Klosters abhängig. Nach der Säkularistion wurde das Dorf selbstständig und 1865 in "Benediktbeuern" umbenannt.
In der Neuzeit hat sich in Benediktbeuern neben der Landwirtschaft, dem Handel und dem Gewerbe zunehmend auch der Tourismus als wirtschaftliches Standbein entwickelt.



Beliebtestes Ziel zum Wandern ist der Hausberg, die Benediktenwand.

Wissenswertes

Joseph von Fraunhofer (* 6. März 1787 in Straubing, † 7. Juni 1826 in München) entdeckte in Benediktbeuern die Absorptionslinien im Farbspektrum des Sonnenlichts, Grundlage für die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Robert Wilhelm Bunsen und Gustav Kirchhof entwickelte Spektralanalyse und heute wichtigstes Instrument der modernen Astrophysik: Nach der Auflösung des Klosters kaufte der Unternehmer Joseph von Utzschneider die Gebäude und betrieb hier optische Werkstätten und eine Glasschmelze zur Herstellung von Präzisionsgeräten für die Landvermessung (Fernrohre). Fraunhofer arbeitete für Utzschneider und perfektionierte den Schliff der Linsen, die von ihm entdeckten dunklen Linien im durch ein Prisma gebrochenem Sonnenlicht waren dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Fraunhofer ist der Namensgeber für die Fraunhofer Gesellschaft, heute mit mehr als 18.000 Mitarbeitern die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa und Sitz in München (Fraunhoferhaus). Die ehemalige Glashütte kann in einem kleinen Museum besichtigt werden.

Klostergeschichte

Das Kloster wurde um 739/740 von der einheimischen Adelsfamilie der Huosi unter Mitwirkung des hl. Bonifatius (wikipedia) und Karl Martell (wikipedia) als Benediktinerabtei gegründet und zählte zu den karolingischen Reichsklöstern. Das Kloster hatte strategische Bedeutung und hatte maßgeblichen Anteil an der Erschließung der Region. Von Karl dem Großen erhielt das Kloster eine Reliqie des heiligen Benedikt und wurde so zum wichtigsten Kultort des Benediktinerordens im deutschsprachigen Raum, bis es 955 während des Ungarnsturms zerstört wurde. Ab 1031 wurde das Kloster in Benediktbeuern vom Kloster in Tegernsee aus wiederbelebt und kam im 12. und 13. Jahrhundert zu neuer Blüte. Schwerpunkte der Tätigkeit waren Goldschmiedekunst und Malerei und seit dem ausgehenden Mittelalter auch die Geschichtsschreibung. Im 14. Jahrhundert verlor das Kloster seine Reichsunmittelbarkeit, hatte aber weiter eine bedeutende Rechtsstellung als Sitz des Klostergerichts. Das heutige barocke Klosteranlage, bestehend aus dem Klosterhof und dem Meierhof, entstand in den Jahren 1669-1732, die Klosterkirche St. Benedikt im Klosterhof entstand von 1672-1686, der Meierhof von 1708-1718.

In der Säkularisation wurde 1803 das Kloster aufgelöst. Im Zuge der Auflösung der Klosterbibliothek wurde die Carmina Burana (lat., auf deutsch "Lieder aus Benediktbeuern", wikipedia) gefunden, eine Sammlung aus 240 Vagantenstücken (Frühlings- und Liebeslieder, Trink- und Minnelieder, moralisch-satirische Inhalte) die um 1230 vermutlich in der Benediktiner-Abtei Seckau (Steiermark) oder im Kloster Neustift (bei Brixen) geschrieben, und ab dem Jahr 1935 von Carl Orff vertont wurden. Die Sammlung befindet sich heute in München in der bayerischen Staatsbibliothek. In der Klosteranlage erichtete ab 1805 Freiherr Josef v. Utzschneider eine Glashütte, in der von 1808 - 1818 der berühmte Forscher Joseph von Fraunhofer arbeitete. Später erwarb dann der bayerische Staat das Kloster und nutzte es als Kaserne und Remontendepot (Jungpferde). Im Jahre 1930 erwarben dann die Salesianer die Klosteranlage und renovierten die Gebäude. Die Salesianer sind eine vom Italienischen Weltpriester Don Bosco gegründete Erzieher- und Priestergemeinschaft. Heute leben in der Klosteranlage noch ca. 50 Ordensleute. Außerdem befindet sich in den Klostergebäuden noch zwei Hochschulen, die Jugendbildungsstätte Aktionszentrum und das Zentrum für Umwelt und Kultur sowie die Don-Bosco-Jugendherberge (das ist in Deutschland die Jugendherberge mit den meisten Übernachtungen im Jahr). Im Maierhof des Klosters befinden sich das Trachteninformationszentrum und das Heimatpflegeinformationszentrum des Regierungsbezirks Oberbayern.

Sehenswürdigkeiten in der Klosteranlage sind (unter Anderen):

    - gotischer Kreuzgang aus dem Jahre 1493
    - Die ehemalige Bibliothek mit Stuck und Deckenfresken
    - Kapitelsaal
    - Kurfürstensaal, heute Hauskapelle
    - Frühbarocker Festsaal, entstanden 1672-1675

Barockbasilika

Seit der Säkularistion 1803 ist die Klosterkirche bis heute Pfarrkirche, im Jahre 1973 wurde die Kirche in den Rang einer "Basilika Minor" erhoben.

Sehenswürdigkeiten im Kircheninneren sind (unter anderem):

    - Deckengemälde von Hans Georg Asam, die frühesten Fresken der altbayerischen Barockkunst
    - Hauptaltarbild von 1788 Bilder der vorderen Seitenaltäre geschaffen von Martin Knoller
    - Orgelprospekt, geschaffen 1682 bis 1686 vom Salzburger Meister Joseph Christoph Egedacher, das Instrument stammt aus dem Jahre 1963
    - Kanzel, 8m hoch, im Stil der Spätrenaissance

Anastasiakapelle

Sehenswürdigkeiten im Rokokoraum in der Nordostecke der Kirche sind der Hochaltar, der Rocaille - Stuck und Deckenfresken


Bild: „Benediktbeuern Ansicht“ von Bbb - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 1.0 über Wikimedia Commons.
Dieser Text basiert auf dem Artikel Benediktbeuern aus der Enzyklopädie   wikivoyage  Liste der Autoren   und steht unter der Lizenz  Creative Commons . (bearbeitet durch: tp cp100)

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